Ausserberg – Bord

Eine kleine Geschichte vom Weiler Bord

Ausserberg – Bord

(C) Schweizer Hobby Bergmaler hans.tribolet@gmx.ch

Bord liegt rund 940 Meter über Meer. Sehenswert ist die Bord- Kapelle, die im 17 Jahrhundert erbaut wurde.  Sie wurde 1985/2012 renoviert und wird heute noch sehr oft besucht. Es stehen auf Bord Häuser von 1563 (zum Teil innen voll renoviert). Diverse Gebäude gehören zu den historischen Bauten von Ausserberg. Auch das Bahnwärterhäuschen W17 gehört zum Bord ?

 

 

 

 

 

 

Unten: Ein Bild von 1930, im Vordergrund Bord Richtung Ausserberg.

Hier noch gut sichtbar sind die grossflächigen Rodungen des begehrten Holzes von 1899 bis 1916. Nach Bord führte damals nur ein kleiner Weg (alter Säumerpfad) und noch keine Strasse.

Achtung, das Foto darf nicht kopiert werden es in Rechten von Fridolin Imstepf (Besten Dank Armin Bayard).

Auch für die Bewohner vom Bord war der Kampf um das Wasser eine der grössten Aufgaben.  Die ersten Aufzeichnungen von Suonen (Wasserkanälen) stammen aus dem Jahre 1332. Teilweise musste früher das Wasser aus Stein/Beton-Zisternen getrunken werden, wenn wieder mal wochenlang kein Regen fiel. Ein Umstand der in dieser Umgebung zu einer hohen Anzahl von Lungenerkrankungen bei den Menschen führte.  Die erste Erwähnung dieses Gebietes geht aber zurück bis 3000 vor Christi – Geburt und der Bronzezeit.

Der Bau der Lötschberg-Linie (BLS) teilte 1904 bis 1913 das Land der Border-Bauern, brachte Arbeit und auch heftige Diskussionen, bis mit dem Bau begonnen werden konnte. In Ausserberg wuchs damals die Bevölkerung von 400 auf 1000 Personen.

Ausserberg (früher Bischofsberg), ein Zusammenschluss der Weiler Gründen (1923), Leiggern, Raaft, Wildi, Bord etc. hatte früh einen Bahnhof, jedoch wurde die Gemeinde erst Mitte der 1960 Jahre an das öffentliche Strassennetz angeschlossen. Davor mussten die Bürger auf „Wanderwegen“ nach Visp oder St- German reisen. Handel mit der grossen Welt war so nur via Bahnhof und der BLS möglich und dies bis 1964.

1933 – (c) Fridolin Imstepf (Besten Dank Armin Bayard).

Die Lage von Ausserberg, umgeben von Tälern, vor sich das Rhonetal und vom alten Freund dem Wind sehr oft heimgesucht, gilt als eines der trockensten Gebiete der ganzen Schweiz. Zum Osten hin nach Bord sollte man deshalb nie ein offenes Feuer entfachen, denn hier drückt die Wärme ganze besonders Richtung Baltschiedertal.

Quelle LBS – Ausserberg ca. 1969 – Noch führt keine Strasse nach Bord und an der BLS sieht man noch die unzähligen Gärten bzw. Parzellen.

Mit 14,90 km² ist das Gemeindegebiet bis zur Wiwanni hoch riesig, wenn man bedenkt, dass der ganze Kanton Basel Stadt mit seinen 171’000 Einwohner nur gerade mal 22,75 km² misst. Gemessen an Basel Stadt müssten alleine auf dem Gebiet auf Bord rund 12’800 Menschen leben.

Von Wildi Richtung Bord-Visp

Um nochmals bei den Suonen zu verweilen: Nach dem die Quellen unter dem Wiwanni versiegten, „Schwarzmenschen“ und ihre Zauber-Magien nichts brachten, brauchte es Suonen (offene Wasserleitungen) um die Felder zu bewässern und an das nötige Trinkwasser zu gelangen. Deren Bau und Nutzung waren im 20. Jahrhundert in Gottesgnade, bis 1960 der Wasserwärter zu Tode kam. Danach führten Steinschläge und andere Ursachen zu weiteren Todesopfern. Wer und wann, wie und wieviel Wasser genutzen werden durfte, führte zu einem wahren Krieg der betroffenen Weiler und deren Bürger. Zu diesem Thema gibt es unzählige, teilweise dramatische Geschichten.

 

Die Bauern vom Bord galten als etwas störrisch, aber sehr arbeitsam, geübt im Umgang mit Holz und Stein und waren massgeblich am Bau der Suonen beteiligt.

Erzählt wird die Geschichte, dass der liebe Gott einst diesen Fleck besuchte und da sprach „Hier muss ich wohl mehr Regen senden“, worauf ein Bauer meinte „Oh nein Herr, das Bewässern verstehen wir dann schon besser“.  Diese Selbstüberschätzung erzürnte den Herrgott so sehr, dass er das ganze Wallis mit einem regenarmen Himmel bestrafte. Das Gerücht, dass dieser Bauer vom Bord war, ist nirgends bestätigt.

Störrisch? Dass dem nicht so ist, zeigt mir die Antwort des Malers Hans Tribolet auf unsere Anfrage, ob wir sein Bild anzeigen dürfen.

Der Weiler Bord war mir schon seit längerer Zeit aufgefallen mit seiner harmonischen Einheit, so nutzte ich die Gelegenheit. Mit einem Kollegen verbrachten wir einen unvergesslichen Tag. Das Interesse und die Freundlichkeit der Familie Schmid und das Gläschen «Eigete»  von einem anderen Bewohner…  bleiben in guter Erinnerung

 

Folgende Fotos (1939) sind in Rechten von Armin Bayard – Visp, wir danken Armin für die zur Verfügungstellung.  Suonen vom Baltschiedertal nach Ausserberg


Erst der Bau des Stollens brachte 1973 etwas Ruhe, bescherte der Gemeinde und deren rund 625 Bürgern aber einen riesen grossen finanziellen Aufwand.  Wasser, Strassen und der Unterhalt der zum Teil UNESCO (Kulturerbe) geschützten Häuser sind Grund dafür, dass Ausserberg eine der höchsten Prokopf-Verschuldungen in der Schweiz aufweist und die Bürger einen hohen Steuersatz bezahlen.  Dennoch finden Sie kaum einen Ausserberger oder Ausserbergerin der/die sich deswegen beklagt. Man ist sich des Aufwands bewusst. Die Gemeinde Ausserberg ist seit 2017 voll in christlicher Hand (CSP/CVP) und wird von 4 Männern und einer Frau „geführt“.  Eine Richterin (unabhänig) macht die „Regierung“ komplett.

Ausserberg – Bord Oktober 2017

Hier beginnt ein Wanderparadies:

Vom Bord aus können wunderschöne Wanderungen und Ausflüge gestartet werden. Der anfangs breitere Weg Richtung Baltschiederbach führt an wunderschönen Orten vorbei, viele wilde Kirschen und eine wunderschöne Natur lässt den Wanderer hier an manch einem Ort verweilen. Ob Richtung Baltschieder-Bach, Baltschiederklause,  Eggerberg oder hinunter nach Baltschieder-Visp, für jeden hat es etwas. Die Wege sind teilweise steil und schmal, so ist es angebracht gutes Schuhwerk zu tragen.  Schwarznasen, Smaragdeidechse, Viper und ab und an ein Esel begleiten Euch auf diesen Wegen. In der Luft begleiten Dolen (Frühjahr), Raben (naja), Eichelhäher, Elster, Kuckuck, Specht und Buntspecht sowie Mäusebussard den Wanderer und mit etwas Glück kann man seit einigen Jahren ein Adler – Paar beobachten. Singvögel die ich selber seit Jahren nicht mehr gesehen und gehört habe, sind mir nach langer Zeit wieder begegnet.

Hunde müssen hier streckenweise an der Leine geführt werden (der letzte RobiDog ist gleich beim Ortsausgang) und was für die Wanderer am schönsten, es kommen Ihnen (noch) keine Biker entgegen.  Sie finden hier eine intakte Natur, mit Schmetterlingen (Leinkraut-Scheckenfalter), die sie nur hier finden können. Die Flora und Fauna sucht ihresgleichen. Fuchs und Dachs kann man hier mit Glück am Abend sehen. Seit Jahren gab es hier keine Wolfs-Sichtung mehr, bis im April 2018, unweit in St- German nun doch ein DNA Test einen Vorfall bestätigte. Sichtungen ob Leiggern sind nicht bestätigt.

Der Frühling und Herbst sind hier die schönsten Jahreszeiten, der Sommer kann hier an der Südrampe extrem hohe Temperaturen bringen, aber die Wege führen auch ins Baltschiedertal, wo kühlere Temperaturen herrschen.

Nicht nur Schwarznasen:

Auf Bord ist auch die Schmid Haustechnik zuhause, für Ausserberg nicht unwichtig einen solchen Arbeitgeber vorzuweisen. Das Wissen, seit Generationen, hilft hier bei den vielen alten Bauten mehr als die modernste Technik. Der „alte“ Gemeindepräsident Odilo hat hier sein Haus und auch wer Hilfe rund um die AHV braucht, findet im Haus der Familie Sies eine helfende Hand. Die Schwarznasen-Miss Visp 2018 kommt von hier , Ausgezeichnete Widder (2018) sind ebenfalls hier zuhause und der momentan jüngste Ausserberger wächst hier auf. Einige der ältesten Häuser von Ausserberg sind zu finden und eine Aussicht auf Visp, ins Mattertal und weit der Rohne entlang.

Gut zu sehen ist gerade jetzt der schnellwachsende Neubau der Lonza oder der Post, sowie die Renaturierung der Rohne und der Schnellstrecken-Ausbau der SBB. Auf Bord wurde auch neu- und umgebaut, was für die Zukunft vom Bord spricht. Die Border selbst pflegen ihre Bauten und sind, so habe ich erfahren, auch stolz hier ihre Heimat zu haben.

Und wie kommt man hin? – Beachten Sie die Karte am Schluss

Variante 1: (10 Minuten Fussweg) Lassen Sie sich mit dem Postauto bis Ausserberg Dorf fahren. Hier finden Sie auch noch den Konsum für Ihre Einkäufe. Gleich bei der Kirche (nach den Gräbern) führt ein schmaler Pfad hinunter zur Bordstrasse. Hier entdecken Sie beim Brunnen rechts die Auszeichnung der UNESCO für das herrliche Wasser das Ihnen hier geboten wird. Aber wir spazieren links die geteerte Strasse hinunter. Sie finden architektonisch Altes und Neues an Häusern und Speichern.  Nach gut 500 Meter kommt die grosse Kurve und nun erblicken Sie Bord in der ganzen Pracht.

Variante 2: (15 Minuten Fussweg) Mit dem Postauto bis Brandenhütten. Hier finden Sie die alten Häuser, alle noch bewohnt, die diesem Ort den heute gebräuchlichen Namen geben. Ein schmaler Pfad führt hier gleich bei der Kurve hoch zur BLS. Kurz vor der Unterführung führt der Weg rechts Richtung Osten, der BLS entlang (Achtung Schafe). Schliessen Sie bitte die hier anzutreffenden Zauntore wieder. Nach gut 300 Meter passieren Sie die Unterführung der BLS und sehen BORD vor sich.

Variante 3: Mit der BLS nach Ausserberg. Verweilen Sie doch kurz im Restaurant Bahnhof bevor sie starten.

A (ca. 15 Minuten, auch mit Rollstuhl möglich) Sie können nun der Strasse folgen bis zum Fussballplatz und dann die Bordstrasse hinunter bis Bord. Reservieren sie sich etwas Zeit, denn diese Strasse führt an manch sehenswertem Haus vorbei. Sie können bis Ausserberg-Distern auch das Postauto nehmen (2 Stationen).

B Sie laufen ein kurzes Stück zurück, unter der BLS durch, und dann nach ca. 200 Meter den kleinen Weg Richtung BLS hinauf, hier führt ein alter Wanderweg unter der BLS durch, bis er sich mit dem Wanderweg von der Brandenhütten wieder trifft. Dieser Weg ist seit 2017 im zweiten Teil kein offizieller Wanderweg mehr. Halten Sie ihre Hunde an der Leine. Eringer und Schwarznasen kennen kein Pardon, wenn sich ihnen ein Hund nähert. Dieser Weg zeigt Ihnen was mit diesem Gebiet geschehen würde, wenn die Bauern, meist im Nebenamt, das Land nicht bewirtschaften würden, und was geschieht, wenn dieses trockenste Gebiet der Schweiz nicht durch Suonen bewässert würde. Verbuschung mit anschliessender Verdorrung wäre die Folge.

Variant 4: Mit dem Auto. Fahren Sie von Visp kommend in Ausserberg bis zum Fussballplatz. Dort nicht links hinauf sondern geradeaus in die Bordstrasse. Dieser Strasse nach gut 500 Meter hinunter. Kurz vor Bord finden Sie kostenpflichtige Parkplätze. Ebenso finden Sie im Dorf selber ein Parkhaus und freie Abstellplätze.  Achten Sie bitte darauf, dass wildes Parken geahndet wird.

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