Hunde – Nicht überall beliebt

Hunde sind Begleiter des Menschen, Freund, ja sogar Ersatzpartner. Es gibt Familienhunde, Hofhunde, aber auch die  Arbeits- und Schutzhunde. Wir sehen „gut“ erzogene Hunde, und gut erzogene Halter. Es gibt gut sozialisierte Hunde und es gibt Hunde die kein adäquates Sozialverhalten aufbauen können, da wie hier in Ausserberg und in den meisten kleineren Gemeinden, derweil keine optimalen Voraussetzungen zu finden sind. Es gibt Menschen die Hunde nicht ausstehen können, Menschen die sich fürchten und diejenigen die deren Halter und das Tier einfach nur hassen.

Damit ein vernünftiges Zusammenleben aller möglich ist, sich Hundehalter nicht ständig mit ihresgleichen und nicht Hundeliebhabern streiten, gibt es Gesetze. Eigentlich sind sie ganz einfach. Innerorts sind die Hunde an der Leine zu führen, und dies so kurz, dass sie keine anderen Passanten stören oder gefährden können. Ihre Hinterlassenschaften werden auf dem GANZEN Gemeindegebiet aufgenommen, dafür stellt die Gemeinde in eigener Rechnung Robi-Dogs mit Hundekotbeutel auf. Die Gemeinde ist berechtig ein Vergehen zu büssen, bzw. zur Anzeige zu bringen. Es ist kein Grund die Hinterlassenschaft nicht aufzunehmen, sollten in diesen Behältern mal keine Ersatz-Säcke vorhanden sein.
Ist ihr Tier nicht als Hofhund anerkannt, dürfen sie auch nicht mehr als 15 Minuten bellen pro Tag.

Für den Arbeitsaufwand der Gemeinde bezahlt der Hundehalter in Ausserberg ab dem 6. Alters-Monat des Hundes 160 Franken (in Visp 195).- pro Hund im Jahr. Es ist hierbei egal ob ihr Hund 15 Zentimeter oder 2 Meter hoch ist. Tut ein Hundehalter dies nicht, wird ihm neben dem Nachzahlen der nachgewiesenen Jahre auch noch ein saftiges Bussgeld in Rechnung gestellt.

So zumindest kann man es in den wenigen Artikeln im Gesetz lesen.

Hundebisse oder Vorfälle sind zudem vom behandelnden Arzt (sofern es zu Verletzungen kommt) zwingend per Gesetz zu melden, auch wenn der Arzt/Tierarzt oder Tierhalter der beste Freund oder gar Bruder ist.

In der Schweiz werden im Schnitt 7,3 Vorfälle PRO TAG gemeldet, davon ist bei jedem 4. Vorfall ein Kind betroffen. Bei diesen Daten vom Bund muss man vorsichtig sein, es wird hier nicht unterschieden ob der Schuldige der Hundehalter oder gar die verletzte Person ist.  Sehr zu denken geben muss  aber, dass die Verletzungen bei Kindern sehr oft das Gesicht und die Extremitäten der Hände betreffen, was zu bleibenden, sichtbaren Behinderungen führen kann.

Bei 503’000 gemeldeten Hunden die täglich mindestens zwei mal raus müssen, ist die Zahl der Vorfällen wohl klein, aber führt sehr oft zu grossem Leid.

 

Haftbar ist IMMER der Hundehalter, erst in zweiter Instanz und wenn der Sachverhalt gegeben, ist der Hundeführer zur Rechenschaft zu ziehen. Etwas anders sieht es aus, wenn sie einem professionellen Hundeführer ihr Tier zur Betreuung übergeben, aber selbst hier gibt es Gerichtsentscheide die den Halter zur Rechenschaft zogen.  Eine Haftpflichtversicherung ist darum in vielen Kantonen Pflicht (auch im Wallis) für den Halter selber und den Hundeführer. Letzeres wird sehr oft vergessen, wenn die Nachbarin oder der eigene Vater/Mutter oder die Kinder mit dem Hund regelmässig Gassi gehen.

Vor dem  Gesetz sind alle gleich. Alle!?!  Schwer haben es bei einem Vorfall Halter von Listenhunden, auch deshalb, weil solche Vorfälle meistens in der Presse landen.

Die ganz klaren Regeln von Visp sind nicht gleichgestellt mit Ausserberg, jedoch treffen sie auch hier (ausser den Kosten) zu.

Sehr viele Vorfälle betreffen Hundehalter unter sich. Da werden Hundehalter vom eigenen Hund umgeworfen, weil auf der anderen Seite der Strasse ein Hund des Weges geht, obwohl dieser an der Leine geführt wird. Auf Wegen und Gelände in denen die Hunde frei laufen dürfen, gibt es vor allem Verletzungen der Hunde untereinander, aber auch dies kann zu hohen Kosten führen. Zu beachten ist auch dass ein Schuldiger oder eine Versicherung nach Art. 42 Abs. 3 des Obligationenrechts nur für die Arzt-Kosten aufkommt, die ein Hund bei der Beschaffung (Kauf) kostete. Dieser Paragraph wurde inzwischen gelockert und Mehrkosten können geltend gemacht werden (Kantonal)

Immer wieder zu roten und zornigen Köpfen führt der Umstand auf Wanderwegen wo Hunde oft frei und weit voraus laufen gelassen werden. Dies kann zu sehr gefährlichen Situationen führen, auch wenn ihr Hund der liebste auf der Welt ist. Gerade rund um Ausserberg, gibt es Wanderwege die gerade mal für einen Menschen genug Platz lassen. Ein Hund der sich hier durchzwängt kann die betreffende Person in arge Nöte führen. 

Hier ist bei einem Gerichtsentscheid vom Februar 2018, die Anmerkung für jeden Hundehalter wichtig: Ein Hundehalter kann nicht davon ausgehen, dass ein Passant auf öffentlichem Grund, die nähe eines Hundes erwarten kann noch dulden will. Der Halter hat dafür zu sorgen, dass es zu keiner ungewollten Begegnungen kommt. Dies gilt überall und zu jeder Zeit.

Was aber meist noch viel mehr Unmut auslöst, ist der nachfolgende Streit unter den Hundehaltern selber. Wer hat Schuld, wer ist der Böse und wer übernimmt die Kosten.  Meist nimmt man es hier mit der Wahrheit nicht so genau. Natürlich ist der andere schuld, natürlich war es der andere der zuerst gebissen hat usw. Die eigene Unachtsamkeit oder den eigenen Fehler will man sich nicht eingestehen.

Beim Gespräch mit einer tiermedizinischen Fachangestellten zeigt sich auch bald das grösste Problem bei/nach der Anschaffung eines Hundes. Obwohl sehr oft gut durchdacht, in der Familie besprochen, wird der kleine Balg halt irgendwann aus dem Jö-Effekt-Alter raus sein. Die Erziehung ist aufwändig, der täglich Gang mit dem Tier wird zu einem Muss. Die Wege werden kürzer, der Hund soll so schnell wie möglich seine Geschäfte verrichten, dank Handy kann man ja noch schnell die Zeit ausnutzen und schwups – passiert es. Man achtet nicht wo der Hund hinmacht, es kommt jemand mit einem Hund entgegen, Kinder oder Erwachsene die sich vor Hunden fürchten usw. Man ist abgelenkt und kann nicht rechtzeitig reagieren, geschweige denn agieren, damit es zu keinem Vorfall kommt.

Nicht immer, aber sehr oft, sind auch Hunde die man aus den Ferien mitgebracht hat, ein Problem. Diese Tiere werden meist aus falscher Tierliebe oder Mitleid mitgenommen. Scheu und zutraulich kann das Tier doch nichts anstellen, aber die neuen Besitzer können gar nicht wissen was dieses Wesen alles durchgemacht hat in seiner alten Heimat. Waren andere Hunde sein Feindbild, waren Kinder seine Feinde, jagt er/sie alles was sich bewegt? Und welches Verhalten legt er an den Tag, wenn er sich mal eingelebt hat? Dies zeigt sich oftmals erst nach einigen Monaten im neuen Zuhause.

Und ja, dann wird der Hund grösser und grösser oder eben auch nur älter und zeigt Macken mit denen man niemals gerechnet hat.  Wer keine Hundeschule besucht, wer selbst nicht geübt ist alle Situationen im Griff zu haben, der kann am Tag X sein TEURES Wunder erleben.

Für den Hund endet es dann im Tierheim oder er wird von dieser Welt als böses Tier entfernt. Für die Halter kann es dann, trotz Versicherung, zu hohen, ja sehr hohen Kosten kommen. Für eine nicht versicherte Familie aus Bern endete ein solcher Fall im letzten Sommer mit Kosten von 143’900 Franken. Eine Sekunde nicht aufgepasst. Ihr Hund, ein harmloser Terrier, immer lieb, immer folgsam, ausser an diesem Tag um 14:20 Uhr vor der Migros.

 

Der Hundehalter-Kurs, obligatorisch bis 2017, wurde wieder abgeschafft. Jeder 5. Hundehalter besuchte diesen eh nicht. Wohl ist man wieder am diskutieren, einige Gemeinden geben Steuererlass, wenn ein Kurs besucht wird usw., aber noch ist nichts wieder fix. Auf den Seiten vom Kanton Wallis findet man aber den Sachkundenachweis wieder als bindend für neue Hundehalter. (Stand 9. Juli 2018).

Aber lieber Leser, liebe Leserin, ist vieles was wir hier in den Gesetzestexten lesen nicht einfach ganz normal. Sind wir als Hundehalter nicht verpflichtet jegliches falsches Verhalten von unserem Tier gegenüber Dritten und anderen Tieren zu verhindern? Und wenn doch etwas passiert, stehen wir nicht dazu und suchen eine Lösung?  Braucht es Räubergeschichten um den anderen zu verunglimpfen?  Und wenn ja, wem hilft es mit Lügengeschichten oder falschen Angaben sich selber und das eigene Tier als sauber hin zu stellen? Dass es nach solchen Zwischenfällen zu verbalen Selbstjustiz- Beschimpfungen kommen muss, wie „ich knall di Köter ab, wenn er nomale hie erschient“, oder „ich streu der Gift i Garte“, dass muss doch nicht sein? (und ist zudem ebenso strafbar)

Ich selbst, neu in Ausserberg und am Anfang nicht viel überlegend, lies meinen kleinen Hund auf der Bordstrasse oft unangeleint laufen. Dass seine Begrüssung nicht bei jedem Bürger gut ankommt, merkte ich schnell und nahm ihn ab da immer an die Leine. Dennoch wurde mir und meinen Besuchern mit dem Stock gedroht, meinem Hund mit dem Tod durch Fusstritte, ja man wollte mir sogar das Wegrecht auf den Gemeinde- und Kantons-Strassen streitig machen. Mein gut 7 Kilo schwerer Hund soll vor einem Haus einen Haufen der einem Schäferhund-Geschäft glich hin gesch…. haben.

Dies alles hat sich erledigt, man geht sich aus dem Weg und die Geschichte ist vergessen. Aber es soll dem Hundehalter zeigen, nicht alle, nein sogar die Mehrheit der Bürger, sind ab Haushunden nicht erfreut.  Also tun wir doch etwas dagegen und fallen mit unseren geliebten vier Pfoten nicht negativ auf. Sie sind doch unsere Freunde und unser Sonnenschein.

 

 

 

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