In Ausserberg (und vielen anderen Regionen) macht sich das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus ein invasiver Neophyt) breit. Der Kamille/Gänseblümchen ähnlich sehend, verbreitete es sich rasant auf den Wiesen und Matten. Es ist wohl nicht giftig, wird aber von den Tieren gemieden und kann sich so ungehindert verbreiten und ganze Gebiete einnehmen.
Die Gemeinde ist sich der Gefahr bewusst und der Walliser Bote beichtetet am 27.7.2020 darüber.
Der korrekte Name ist übrigens nicht Berufskraut sondern Berufkraut.
Info 1 – Wie vernichten
Info 2 – Bauernzeitung
Info 3 – Erkennen
Edit: 2021 – Nun wird es schweizweit zur Plage. Auch unsere Tagesschau nimmt sich der Pflanze an und zeigt im Juli 2021 einen Beitrag


Tut man nichts… Kann es im Portemonnaie weh tun
Macht man nichts dagegen, haben vor allem die Nachbarn «Freude». Mit dem Ausblühen können 1000e neue Samen auf den Matten auch starke Winter überleben. Es kann mit seiner immensen Verwurzelung grosse verödete Stellen auf der Matte bringen und die einheimische Flora gänzlich verdrängen. Parzellen die vom einjährigen Berufkraut befallen sind, fallen aus der LN Liste und Direktzahlungen werden gestrichen.
Medizin gegen Fieber und Husten
Das einst aus Nordamerika stammende Kraut ist inzwischen auf der ganzen Welt vorzufinden. Es wird auch in der chinesischen Heilkunde oft erwähnt. Bei Fieber, Husten, Erkältungen wird das zum Tee aufgebrühte Kraut eingenommen. Es soll den Heilungsprozess beschleunigen. Dies brachte in der Vergangenheit viele Hobby-Gärtner dazu, das Kraut zu pflegen. Auf YouTube findet man Beiträge die dieses Kraut fast huldigen. Für mich etwas unverständlich, dass es im Sommer 2021 noch nicht zu den verbotenen Kräuter und Stauden gehört sondern lediglich als unerwünschter Neophyt bezeichnet wird.
Vermehrung
Das einjährige Berufkraut braucht keine «Bestäubung». Wird es vor der Blüte geschnitten, kann sich das Kraut dennoch weiterentwickeln und es wird zu einem mehrjährigen Unkraut mit einem gigantischen Wurzelwerk. Lässt man es blühen werden die Samen (ab Juli) durch den Wind kilometerweit übertragen und bilden im Herbst durch die keimfähigen Samen, Rosetten aus, die den Winter überstehen. Lange Trockenphasen kann das Berufkraut gut überstehen und vertreibt bereits an den ersten wärmeren Tagen im Jahr die einheimische Flora.
Wie bringe ich es los
Dieses Jahr konnten ich viele Bauer/Bäuerinnen/Familien sehen, die Sackweise das Kraut auf ihren Matten mühsam von Hand ausrissen und entsorgten. Einige Glückliche konnten sogar Hilfe von Schulklassen oder anderen Gruppen entgegennehmen. Das bis vor kurzem noch belächelte Kraut, wird sehr ernst genommen. Machen alle mit, kann dies die einzige Lösung sein, eine weitere Verbreitung zu umgehen. Wegen des grossen Wurzelstock, welches das Berufkraut entwickelt, ist ein abbrennen der Rosette im Frühjahr eher kontraproduktiv. Chemie wird wohl kein Bauer hier in Ausserberg anwenden wollen.
Gutes Jahr 2021
Das im Jahr 2021 auch in Ausserberg sehr feuchte Klima schien der Pflanze sehr gut zu bekommen. Wir fanden Mitte Juli, auf über 1000 Meter über Meer, Pflanzen die zwischen 1.20 und 1.70 Meter hoch waren, in voller Pracht.
Auf einer Matte, die 2017 noch keinen einzigen dieser Lieblinge aufwies, waren dieses Jahr ganze «Flecken» verseucht». Auf Wiesen die von den Besitzern mit grossem Aufwand gesäubert wurden, ja sogar ganze Schulklassen im Frühjahr halfen, dem kleinen Biest beizukommen, blühte vor dem Schnitt Mitte Juli, das Kraut munter vor sich hin.
Ach was – lasst es doch stehen
Als ich in diesem Blog 2017 und 2019 auf das einjährige Berufkraut hinwies, hat man mich belächelt und ich musste mir im Bahnhof manchen Spruch anhören. Auch Bauern die damals schon das Kraut mühsam «jäteten» wurden wohl eher etwas belächelt.
Ich wahr froh, als 2019 der Kanton Luzern, die Bauernzeitung und diverse Medien das Kraut als unerwünscht artikulierte und später sogar auf die schwarze Liste setzte.
Viele meinten damals auch, dass dies doch eine wilde Kamille sei, oder es sogar mit einheimischen Berufkraut – Arten verglichen. Da mich diese Einwände selber sehr irritierten habe ich die Artikel sogar zeitweise auf dem Blog gestrichen. Als nun auch der Bund 2020 mit Restriktionen reagierte nahm man das ganze doch etwas ernster. Inzwischen sollte jedem Gärtner/Gärtnerin, Bauer und Bäuerin das Kraut bekannt sein.



