Sterbehilfe – 2019

Gleich zwei mal wird man in den vergangenen Tagen auf die Zunahme von Menschen die ihr Leben frühzeitig und mit Hilfe einer Organisation wie Exit etc. zu beenden in Betracht ziehen und/oder ausüben, hingewiesen.

Selbst zu entscheiden, wann man sein Leben beenden will, wird in diesen Beiträgen ausschliesslich auf «unheilbar krank» oder «nicht mehr lebenswert» verstrickt. Es geht hier nicht um den Suizid als solches.

Dr. Franz Schmid (Vizepräsident) zeigt an, dass die Vereinigung Walliser Alters- und Pflegeheime entschieden gegen eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe in den Walliser Alters- und Pflegeheimen ist. RRO

Die Kirche hat hier ebenfalls ein ganz klares Bild und muss einen Freitod mit oder ohne fremder Hilfe ablehnen. RRO zitiert hier unseren Pfarrer Paul Martone.

«Wenn jemand für sich entscheidet, mithilfe einer Sterbeorganisation oder auch sonst irgendwie freiwillig aus dem Leben zu scheiden, so muss ich diesen Entscheid respektieren. Ich kann ihn aber nicht gutheissen und ich darf schon gar nicht bei einem Suizid behilflich sein.»

Damit geht Pfarrer Martone einen freieren Weg, als andere Geistliche. Zumindest hört man aus diesen Worten, dass er wohl alles versuchen wird, einen Menschen hier von diesem Schritt abzuhalten, jedoch wenn es der innigste Wunsch des «Kranken» ist, so wird er ihn nicht verurteilen.

Edit: 5.3. Pfarrer Paul Martone bittet zu unterstreichen, dass ein Respektieren kein Gutheissen dieses Schrittes bedeutet.

Ich war vor nicht langer Zeit an einer Beerdigung anwesend, wo Pfarrer X 80% der Grabrede und auch beim nachfolgenden Gottesdienst, den Verstorbenen rügte, ab dem Entscheid sein Leben zu beenden und nicht auf den natürlichen Tod zu warten.

Die Hinterbliebene waren schockiert ob diesen Worten, die den geliebten Menschen als Feigling, Menschen ohne Willenskraft und ohne Glauben darstellten. Einen Menschen, der sein ganzes Leben für die Gemeinde, die Kirche, die Bürger und die Jugend einsetzte.

3 Jahre verbrachte er mehrheitlich im Spital, in der REHA, versuchte alles um wenigstens noch ein kleines Licht zu sehen, als ihm auch dieses nicht mehr «erschien», entschied er sich für die Sterbehilfe.

An seinem 75. Geburtstag waren seine letzten Worte; «Ich mag nicht mehr, will diese Maschinen die mein Leben noch ermöglichen nicht mehr hören. Ich kann nicht mehr gehen, nicht mehr sehen, ich liege da wie ein Stück Fleisch. So lasst mich ziehen und ermöglicht mir meinen letzten Willen, den ich mit gesundem Verstand noch erbringe und stellt bitte, bitte diese Maschinen ab.»

Nach 4 Monaten erfüllte man dem geliebten Mann, Vater, Bruder, Freund diesen Wunsch.

Pfarrer Paul Martone schreibt uns; «Ethisch erlaubt ist sicher das Sterben lassen. Man muss nicht alle medizinischen Möglichkeiten ausschöpfen, sodass der Patient sich dann nur noch wie ein «Stück Fleisch» vorkommt. Man kann die Maschinen auch abstellen, damit der Mensch die Möglichkeit hat zu gehen. Aber niemand hat das Recht seinem Leben selber ein Ende zu setzten, egal ob durch direkten Suizid oder durch assistierten Suizid mithilfe einer Sterbeorganisation. «

Sterbehilfe? Viele die diesen Schritt als letztes wünschen, sind für sich selber meist schon lange gestorben. Obwohl es das Wort «unheilbar» fast nicht mehr gibt, erleben sie eine Zeit, meist von Schmerzen und Verzicht geprägt, die sie selbst an einen Ort der Aussichtslosigkeit bringen. Für die Betroffenen ist dieses eigene Leben nicht mehr lebenswert und sie sehen so keinen Weg mehr, selbst wenn sie in grossem Glauben leben.

Freitod, oder das Unterlassen von lebenserhaltenden Massnahmen ist für ein Spital, ein Pflegeheim oder einen Arzt natürlich nie eine Alternative. Genauso scheint es für Menschen mit starkem Glauben nie eine Lösung zu sein, selbst zu entscheiden, wann der letzte Tag gekommen ist.

Doch eben diese Maschinen, diese Medikamente verzögern ja den wirklichen Tod. Und hier stellt sich die Frage, ob Sterbehilfe nicht nur ein Schritt ist, diese «Verzögerung» der letzten Stunde zu verhindern und der betroffenen Person das Recht gibt, auf diese Hilfe zu bestehen, um schlussendlich schmerzfrei zu sterben.

Sterbehilfe ist eines der Themen das kein Ja oder Nein zulässt. Sie soll immer und ohne Ausnahme die gegebene Situation aufnehmen und dann als letzte wirkliche Lösung dienen. Wir sollten es aber unterlassen, zu urteilen, über Menschen die nur noch diesen Weg als Lösung sehen/sahen.

Ich selbst bin seit 1996 Mitglied einer Sterbehilfe-Organisation. Nach 3 teils erfolglosen Chemotherapien und für mich damals unbeschreibbarem Verlust jeglichen Vergnügens, Trennung meiner geliebten Frau, Jobverlust, als Selbständiger nicht versichert, und ohne einen Sinn am Weiterleben zu sehen, informierte ich mich über diese Hilfe. Gleichzeitig besann ich mich meiner Mutters Worte, erfüllt im Glauben an den Herrn,

«Dein Weg ist noch nicht am Ende, lass Dich führen, und wenn es der Herr so will, tue nichts, was nicht in seinem Willen geschieht».

Damals, vor 23 Jahren für mich leere Worte. Heute danke ich ihr an jedem Tag den ich «gesund» erwache und leben darf.

Aber gleichzeitig ist vor mir das Bild unserer Schwester Rosa, die nach einem Schlaganfall 4 Jahre im Pflegebett lag, nie mehr richtig erwachte, ihre Hand aber bei jedem Besucher leicht zudrückte und diese nicht mehr loslassen wollte. Eine der Maschinen die den Herzschlag anzeigte kam in diesen Momenten in Bewegung. Augenblicke die ich selber nie vergessen werde.

Mehr als 4 Jahre bis sie dann friedlich einschlief und wie sie uns früher immer erzählte, ihr Ziel, das heilige Reich endlich betreten durfte.

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